Vorsichtig optimistisch: Volker Spanier über die Zukunft der Branche in Europa
3 Fragen an Volker Spanier, Vorsitzender des Vorstands VDMA Robotik und Head of Manufacturing Solutions, Epson Deutschland GmbH
Es gibt erste Anzeichen einer Konjunkturerholung. Wie ist Ihre Prognose für die europäische Automatisierungsbranche. Wird sie auf den Wachstumspfad zurückkehren?
Spanier: Aktuell spricht einiges für eine, wenn auch langsame, Erholung. Die Prognosen führender Wirtschaftsforschungsinstitute scheinen das zu untermauern. Ich selbst blicke vorsichtig optimistisch in die Zukunft. Vorsichtig deshalb, weil die komplette Weltwirtschaft derzeit ein eher fragiles Konstrukt ist. Die geopolitischen Risiken – Stichwort Ukraine, Grönland, Taiwan – sind aus meiner Sicht ebenso wenig kalkulierbar wie die Zollpolitik eines Donald Trump. Hinzu kommen unkalkulierbare Entwicklungen auf dem Energiesektor. Unter diesen Voraussetzungen scheint mir ein solides, kräftiges und nachhaltiges Wachstum noch mit Fragezeichen versehen.
Welche Maßnahmen müsste die Politik schaffen, um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie zu stärken?
Spanier: Man müsste endlich die Themen angehen, die uns bereits seit geraumer Zeit lähmen. Dazu zählen vor allem der Bürokratieabbau sowie Verbesserungen bei der Digitalisierung. Das hat die Politik zwar erkannt und versucht Maßnahmen einzuleiten, aber wir kommen hier einfach zu langsam voran. Zudem brauchen wir mehr Verlässlichkeit und kein ständiges Hin und Her wie beim Heizungsgesetz oder dem Verbrennerverbot. Positiv bewerte ich das Mercosur-Freihandelsabkommen sowie das Investitionssofortprogramm der Bundesregierung, das es unter anderem erlaubt, 30 Prozent der Anschaffungskosten von Robotern und Anlagen im ersten Jahr degressiv abzuschreiben.
In wirtschaftlich schwierigen Zeiten werden Investitionen gerne aufgeschoben. Denken Sie, der aufkommende Trend Robotik-as-a-Service wird daran etwas ändern und zu einer Belebung der Automatisierungsbranche beitragen?
Spanier: RaaS ist ein vielversprechender Ansatz und bietet für bestimmte Anwenderkreise eine perfekte Lösung, um ohne größere Anfangsinvestitionen in die Welt der Automation und Robotik einzusteigen. Gerade kleinere und mittelständische Betriebe auch aus Märkten, in denen bislang keine Automation stattfand, können so von der Robotik profitieren. Dass es in der R+A-Branche deshalb kurzfristig zu einer deutlich spürbaren Belebung kommt, glaube ich allerdings nicht. Dafür ist dieses Modell noch zu unterrepräsentiert. Auch wenn der Raas-Markt 2024 um 42 Prozent wuchs, muss man das natürlich in Relation zum Gesamtvolumen sehen. Aber mittelfristig hat RaaS ein großes Potenzial.