7. November 2017

Die Welt der Wunder

automatica 2018: Medizin- und Pharmaanwendungen im Fokus

Die Lebenserwartung der Menschen steigt. Mitverantwortlich dafür sind immer wirksamere Medikamente und Therapien, die erst durch eine automatisierte Produktion für die breite Masse an Patienten erschwinglich werden. Wie wirtschaftlich und effizient die Herstellung pharmazeutischer und medizintechnischer Produkte heute sein kann, zeigt die internationale Leitmesse automatica, vom 19. bis 22. Juni 2018 in München.

Die Entwicklung scheint unaufhaltsam: Die Automation durchdringt sämtliche Produktionsbereiche der Pharma- und Medizintechnik und führt zu einer neuen Qualität der Prozesse mit positiven Auswirkungen für Patienten und Personal. Dabei gelingt es Produzenten und Anlagenbauern in engem Schulterschluss immer wieder auf´s Neue, effiziente Automatisierungslösungen für anspruchsvollste Herstellverfahren zu finden, die bis dato als nicht automatisierbar galten.

Ein Beispiel dafür kommt aus Italien. Dort ist dem Systemhaus Elettrosystem mit der Realisierung einer komplexen Anlage für die diffizile Montage von Spiraltuben eine Weltpremiere gelungen. Der Spiraltubus ist eine spezielle Hohlsonde, die in der Anästhesie sowie in der Intensivmedizin zum Einsatz kommt. Bislang scheiterte die Automation daran, eine feine Schraubenfeder aus Stahl auf ein PVC-Röhrchen aufzuziehen und das Bauteil mit Kleber zu ummanteln. Die Herausforderungen liegen in der gleichmäßigen Verteilung der Federwindungen sowie in der Handhabung der beiden biegeschlaffen Komponenten.

Die weltweit erste Anlage für die Teilmontage von vier Spiraltuben gleichzeitig besteht aus zwei spiegelbildlich konzipierten Zellen, in denen vier präzise Stäubli Sechsachser komplexe Handhabungsaufgaben übernehmen. Die Montage der Feder erfolgt in einem integrierten Prozesskreislauf, der über Linearsysteme verkettet ist.

Gerald Vogt, Group Division Manager bei Stäubli Robotics, ist von dieser Premiere ebenso begeistert wie von der Dynamik der gesamten Branche: „Als Robotik-Marktführer im Bereich Pharma/Medizin erleben wir es immer wieder, wie die Automation trotz strengster Restriktionen, Zertifizierungs- und Validierungsauflagen in neue Bereiche vordringt und damit medizinischen Fortschritt für jedermann ermöglicht. Wir sind bereits heute sehr gespannt auf die automatica 2018, denn hier werden durch neue Technologieentwicklungen vieler Aussteller die Weichen für weitere Quantensprünge in Life Science-Anwendungen gestellt.“

Voll automatisierte Produktion setzt weltweit Maßstäbe
Dass es mit hoch automatisierten Produktionslinien, entsprechendem Know-how und Innovationskraft von einem deutschen Standort aus gelingt, unangefochtener Weltmarktführer für Produkte und Dienstleistungen für Dialysepatienten zu werden, beweist Fresenius Medical Care. In St. Wendel stellt das Unternehmen Dialysatoren für die Hämodialyse und Beutelsysteme für die Peritonealdialyse her. Weltweit basiert heute nahezu jede zweite künstliche Niere auf einem Polysulfon-Dialysator von Fresenius. (Anwendung im Video)

Bei der Herstellung der Dialysatoren in Stückzahlen von weltweit jährlich über 100 Millionen sind nicht nur innovative prozesstechnische Lösungen gefragt, auch die sichere Beherrschung jedes einzelnen Produktionsschrittes ist von entscheidender Bedeutung. „Um Fehlerquellen bei der Herstellung auszuschließen, setzen wir auf vollautomatisierte Prozesse. Dadurch erreichen wir ein gleichbleibendes Qualitätsniveau mit äußerst geringen Toleranzen sowie eine prozesssichere und zugleich wirtschaftliche Fertigung“, betont Dr. Franz Kugelmann, Leiter Technologie Entwicklung bei Fresenius.

Bei der Montage der Dialysatoren sind Sechsachser von ABB sowie Scara-Roboter des japanischen Herstellers Epson vertreten. Die Epson Vierachser übernehmen unterschiedlichste Aufgaben, angefangen von der Montage und Handhabung über die Beschickung von Anlagenteilen bis hin zur Verpackung. Volker Spanier, Leiter Factory Automation bei Epson, sieht in der Fresenius-Produktion den gelebten Beweis dafür, dass robotergestützte Automatisierungslösungen entscheidend dazu beitragen, Fertigungsstandorte in Deutschland und Europa zu erhalten.

Lohnender Markt für europäische Unternehmen
Beipflichtende Worte kommen aus der Schweiz von Jean-Francois Bauer, Leiter Business Development bei Mikron: „Der Markt entwickelt sich rasant. Neue Medikamentenformen, komplexere Verfahren, Smart Devices, sich ändernde Patientenanforderungen und dazu neue, globale Anbieter in der Branche. Dieser Wachstumsmarkt bietet viele Chancen für europäische Unternehmen, die mit den strengen Branchenregularien FDA, EMA, GAMP, ICH und GMP vertraut sind.“

Wie Mikron auf die neuen Anforderungen des Marktes hinsichtlich höherer Flexibilität und Skalierbarkeit von Montageanlagen sowie kürzerer time to market reagiert, wird das Unternehmen auf der automatica in München zeigen. Hier soll eine breite Produktpalette vorgestellt werden, die von manuellen Arbeitsplätzen, „Proof of Principle“ bis hin zu den bekannten Hochleistungsanlagen reicht.

Laborautomation im Wandel
Eine ähnliche Entwicklung sieht Dr. Michael Klos, General Manager Business Development bei Yaskawa Europe für den Bereich Laborautomation: „Auch hier erwarten wir einen wachsenden Bedarf an flexibler, kundenspezifischer Automation. Automatisierte Standard-Prozessanlagen sind häufig auf hohen Durchsatz ausgelegt und unflexibel. Erweiterungen oder kundenspezifische Anpassungen sind damit nicht umsetzbar, schon gar nicht unter eingeschränkten Platzverhältnissen. Lösungen können flexible Systemintegratoren mit pfiffigen Ideen und branchenspezifischen Kenntnissen bieten, wie sie zahlreich auf der automatica zu finden sind.“

Häufig sind auch die vorgegebenen Laborgeräte nicht wirklich auf Automatisierung ausgelegt. Für die Bedienung der Geräte setzt Yaskawa deshalb vorzugsweise zweiarmige Roboter ein und achtet dabei auf die strikte Entkopplung von Programmierung und Bedienung der Roboter. Damit wird das Definieren der Arbeitsfolgen für das Laborpersonal so einfach wie möglich. Die jüngsten Entwicklungen der Dual-Arm-Robotik wird der Hersteller in München vorstellen.

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